Geschichten aus der AdventureBox: Und es wurde Freitag

Der folgende Text basiert auf Notizen die ich während meiner Zeit als Ladenbesitzer 2005-2007 in einer Kladde gemacht habe. Irgendwann hatte ich das mal ein bißchen aufgearbeitet. Da ich diese Texte und Anekdoten nicht umkommen lassen wollte hier zum lesen.

Es ist der 28.9.2007. Ein typischer Tag in der Adventurebox in Duisburg Homberg. Ich komme morgens zum Laden. Mittlerweile mache ich erst um 11 Uhr auf, die langen Tage von 10 bis 19 Uhr (ohne Pause) haben sich nicht gelohnt. Ich stand zu oft 9 Stunden ohne Unterbrechung im Laden und das oft nur für Kleingeld, vor allem seit der Mehrwertsteuer-Erhöhung, die alle regelrecht panisch gemacht hat und die Umsätze abstürzen ließ. Und stehen heißt in dem Fall auch tatsächlich "stehen". Nach über 2 Jahren in dem Laden hatte ich länger am Stück gestanden als so mancher in 10 Jahren. (Verkäufer(I)nnen im Einzelhandel ausgenommen, die wissen wovon ich rede.)

Gut, vor der Tür warten die beiden, die ich für mich selbst die "DSA-Brüder" genannt habe und ein "Runner". Ich schließe auf, wir gehen rein und der Runner sagt mir sofort er suche verzweifelt noch Shadowrun 3.0 Bücher. Die gibt’s aber nicht mehr, zu dem Zeitpunkt so ungefähr seit 3 Jahren nicht mehr. Natürlich hat er den Kauf aller notwendigen Bücher jahrelang immer schön nach hinten geschoben, wie man das so macht. Sind ja alle ganz schlau und haben einen Plan. Und natürlich erzählt er mir den Standard-Text aller Rollenspieler: "Die neue Edition ist nur Geldmacherei." Wie alle Rollenspieler hat er natürlich gedacht, das die Verlage und ihre Mitarbeiter für lau arbeiten. Und das sie bis zur Ewigkeit ein und dasselbe Buch immer wieder drucken, egal wie gering die Auflagenzahlen werden. Oder bis jeder Mensch im Land ein Exemplar hat, was bei Rollenspielbüchern noch wahrscheinlicher ist. Naja, er ist dann schnell wieder weg, von meinen nicht gerade wenigen noch vorhandene Shadowrun-3.0 Titeln interessiert ihn nichts. Und er hat auch keinen Kumpel, der was davon braucht, nehme ich an. So ist Rollenspiel: auf 6 Leute die spielen kommt einer der was kauft. Ein "Riesenmarkt" mal 0,0000001 geteilt durch 6. Ich nehme an, er hat dann nochmal 3-7 Jahre gewartet um sich alles fehlende teuer online zu ersteigern und einiges bis heute nicht zu bekommen. So machen das die viele Rollenspieler, die Jagd ist Teil des Abenteuers.

Die "DSA-Brüder" aber sind von einem ganz anderen Schlag. Beide sind so Anfang 40 schätze ich. Es ist so, das der eine nur seinen rollenspielenden Bruder vorbeibringt, da dieser kein Auto hat. Und zwar immer, alleine war der DSA-Mann noch nicht hier. Ich habe mal vorgeschlagen doch einfach mit dem Bus zu kommen, sind ja nur ein paar Haltestellen wie ich erfahren habe. Je nach Lage der Dinge sogar nur ein schöner Spaziergang über die Brücke mit tollem Ausblick auf den Rhein und den Hafen.

Aber der Bus ist ihm angeblich zu teuer. Sagt er. Die Zeit seines Bruders ist offensichtlich weniger wert als ein Kurzstrecken-Ticket. Denke ich. Zwischenzeitlich war der Kollege schon ein paar mal im Laden und das unsichere Zittern, das mir am Anfang aufgefallen war, hat sich gelegt. Irgendwie herumstammeln tut er aber immer noch ein bißchen und ich werde das Gefühl nicht los, das er nur zur Hälfte auf unserer Welt ist. Ich glaube er wechselt im Takt von wenigen Sekunden hin und her. Fantasywelt –> Erde -> Fantasywelt->... Beim ersten Besuch habe ich gedacht der Bursche ist auf Drogen oder sowas, so durch den Wind war er. Aber es war scheinbar nur Angst vor Fremden. In der anderen Welt ist er sicher ein tapferer Krieger. Hoffe ich wenigstens. Sein Bruder ist wie immer in Eile und will nur weg, das Ganze kostet ihn nur Zeit. Er hat gar keine Lust, sich auch nur irgendwas anzuschauen. Das ist ja an sich schon ok, aber sooo uninteressant sind ein paar tausend (!) aufgehängte Zinnfiguren doch auch nicht, das man nicht wenigstens ein paar Minuten ohne Quengeln totschlagen kann, oder? Die Ignoranz mancher Leute ist mir wirklich unbegreifbar.

Beide stinken übrigens. Muss man leider sagen, sie sind nett und höflich aber sie riechen. Kein Wunder, es ist ungewöhnlich warm heute, aber die Jungs haben bereits Winterjacken an und die haben sie die ganze Zeit bis oben zu. Wie man das so macht bei warmen Wetter, ganz entspannt eben. Und deshalb riechen sie sogar durch die hochgeschlossenen Jacken ziemlich deutlich. (Fairerweise muss man sagen das man ja nie weiß was jemand vorher gemacht hat, vielleicht kamen die ja von der Nachtschicht in den Bleiminen von Rura Penthe oder sowas. Aber wie gesagt, es war 11.00 Uhr morgens, eigentlich nicht die Zeit dafür.) Aber schon 10 Minuten später sind sie fertig und wieder weg. Der Knabe hat innerhalb weniger Minuten und locker aus der Hüfte mal wieder buchstäblich alle aufgelaufenen Neuerscheinungen zu seinem Lieblings-Rollenspiel gekauft. Wenn ich 10 Stammkunden von der Sorte im Rollenspielbereich hätte, könnte ich den Laden irgendwie halten. Zumindest der Bursche weiß was er will, fackelt nicht lange und kriegt seine Sammlung zusammen. Wenigstens einer, der einen Plan hat. Wenn der in der Fantasywelt so zulangt wie er hier einkauft wird er - wie der große Conan - eines Tages König sein. Es sei ihm gegönnt.

Wenige Minuten später. Nun kommen zwei "andersartige" rein. Sorry wegen des Ausdruckes, aber es ist leider wahr. Die Sprachfähigkeit zumindest eines der beiden liegt kaum über dem eines vorzeitlichen Höhlenbewohners. Im Ernst, es sind... OMG!... ja, es ist wahr... echte Troglodyten! Natürlich moderne Versionen davon : klein, gedrungen, ungewaschen, unrasiert und gekleidet in grellbunte ballonseidene Trainingsanzüge. Verständlich, Fellumhänge sind zur Zeit ja auch kaum zu kriegen. Wer hat das Problem nicht.

Der eine von beiden hat von all dem hier noch nie was gehört. Und ich denke, das das auch irgendwie typisch für Höhlenbewohner ist. Ich gebe ihm eine 3-Sätze Kurzvorstellung von D&D oder Rollenspielen allgemein, denn ein allzu tiefer Einstieg in die Materie scheint mir nicht angebracht zu sein. Der andere, dem Menschenaffen komischerweise irgendwie noch ähnlicher (ja, sorry, ich weiß, das ist nicht nett, aber es ist wahr - Sie haben nicht gesehen was ich gesehen habe... der Gang... die langen hängenden Arme...), hat das alles erstaunlicherweise aber schon mal gespielt. Sagt er. Ich bin baff und höre weiter zu. Bei Shadowrun war er ein "Elf mit implantierter Matrix" erzählt er seinem Kollegen, schwingt seinen scheinbar überlangen Arm herum und zeigt mit dem Finger auf seinen Nacken. Ich denke in schneller Folge zuerst an den Film "Der Mann aus San Fernando" und dann an das Buch "Newromancer" und mir fällt ein, dass ich meinen USB-Stick zuhause vergessen habe. Eigentlich wollte ich heute noch eine Datensicherung des Rechners am Tresen machen.

Der Typ spricht in einem ganz seltsamen Takt als hätte das Gehirn schon mal zu lange ausgesetzt. Dixie-Flatline sozusagen, wenn sie wissen was das ist. Fast noch so als wäre er "In-Game". Andere Rollenspiele kennt er auch. Und Battletech findet er cool und super, er preist es seinem Kollegen an: " ...da hast du ein Blatt mit deinen Werten und dann must du das alles ausrechnen ob du getroffen bist...". Ich höre zu, bezweifle aber meinserseits das "Rechnen" das Stichwort ist, auf das sein Freund anspringen wird. Sie ziehen ab, nach dem der andere Typ einen echt wichtigen Handy-Anruf bekommt. Und weg sind meine Matrix-Morlocks. Wo die wohl hin sind? Was passiert hier, was ich nicht sehen kann? Gibts hier irgendwo einen Eingang in den Time-Tunnel?

Gekauft haben sie natürlich nichts, denn ich hatte nichts was sie dort, wo sie hingegangen sind, gebrauchen können. Aber der DSA-Mann hat dem Betrieb des Ladens für heute wenigstens Sinn gegeben. Ich bin jetzt 20 Minuten im Laden und harre der Dinge die da noch kommen werden. Jetzt wird erstmal gelüftet, denn die bunten Morlocks waren auch nicht mehr ganz frisch sag ich mal.







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