Das Waterloo-Wargame-Projekt mal durchgeplant

Worin es um Platz- und Mengenkalkulationen geht und warum aus 300 schnell 400 Figuren werden.

Folgen wir - nach einer kleinen Pause , die u.a. die Umstellung der Website auf PHP 7 enthielt - weiter dem "Weg nach Waterloo". Nachdem ich letztens eine der Formen vorgestellt habe fasse ich heute mal meine Überlegungen zum Gesamtumfang des Projektes zusammen. Gedacht ist ein Setup mit zwei ungefähr gleichstarken Seiten, auf der einen Seite die Franzosen, auf der anderen die Alliierten. Von den immerhin 47 verschiedenen Formen der 25mm-Serie sollen dabei möglichst viele - oder alle - oft und effektiv eingesetzt werden.

Dabei darf aber auch der Gesamtumfang nicht so groß werden, das es nicht mehr zu stemmen ist. Irgendwo um die 300 Figuren möchte ich die Grenze ziehen, sonst wird es zum Mammutprojekt. Man vergalopiert sich bei der Planung eines solchen Projekts leider unheimlich schnell und bei mangelhafter und gar nicht vorhandener Planung läuft einem die Sache ziemlich schnell aus dem Ruder. Wir müssen deshalb einen Plan "entwickeln".

Größenverhältnisse

Die Anzahl der verfügbaren Infanterie- und Kavallerieeinheiten sollten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Dazu gibt es jede Menge historische Angaben, die aber alle auseinander gehen und auch keine wirkliche Gesetzmäßigkeit darstellen. Das war eben von Fall zu Fall verschieden. Aus ästhetischen Gründen wähle ich erst mal ein Verhältnis von 2:1, will sagen : auf 2 Einheiten Infanterie kommt 1 Einheit Kavallerie. Das sieht dann auch ungefähr so aus wie bei historischen Vorbildern.

Platzbedarf

Der Gesamtumfang unseres Projektes steht in einem unmittelbaren und nicht zu umgehenden Verhältnis zum verfügbaren Platz auf dem Spieltisch. Die Figuren sollten den vorhandenen Spieltisch nicht überfrachten. Es muss Platz bleiben für Häuser, Brücken, Bäume, Flüsse usw. und natürlich Platz zum manövrieren. Und der wird schnell eng.

Um den Platzbedarf für die Figuren und das drumherum (Geländegestaltung) zu ermitteln macht es Sinn den vorhandenen Platz mit Hilfe eines Rasters zu ermitteln. Denken wir uns einen Wohnzimmer- oder Esstisch von der Größe 90*180cm. Bei Einheiten, die ungefähr einen Platz von 10*10cm einnehmen, legen wir folgerichtig ein gedachtes 10cm-Gitter über die Fläche und wir kommen auf 9*18 = 162 Felder auf dem Spieltisch. Bei einer Figuren-Armee, die über den Daumen gepeilt (unten wird es genauer) 12 Infanterie-Einheiten, 6 Kavallerieeinheiten und 6 Artillerieeinheiten beinhaltet sind das schon 24 belegte Felder. Stehen sich zwei solche Armeen auf dem Tisch gegenüber, kommen wir auf 48 Felder. Das entspricht in unserer Beispielrechnung bereits rund 29% der verfügbaren Fläche auf dem Tisch. Ein Fluss, etwas Wald, ein paar Häuser oder Hügel...und es wird eng.



Alter Entwurf: Einheiten und Spielelemente, die 10cm-Quadrate einnehmen, auf einem 90x180cm Tisch. Wie man sieht : schnell zu eng. Große Einheiten nehmen große Felder ein und wirken zu monolithisch. Die Bewegungsmöglichkeiten - sofern man sich auch beim spielen an ein Raster halten möchte - sind reduziert.

Wir müssen das also feiner machen, das heißt : auf kleinere Elemente runter brechen. Nehmen wir die Hälfte, 5x5cm und unser Spieltisch kommt nun auf 18*36 = 648 Felder und das sind dann gleich 4x so viele mögliche Positionen.

Das Raster oder Gitter dient in dieser Betrachtung erst einmal nur der grundsätzlichen Berechnung des Platzbedarfs. Ob man nun ein Raster bzw. feste Spielfelder im Spiel nutzt oder nicht, die Figuren nehmen nun mal den kalkulierten Platz ein. So finden wir auf jeden Fall eine Balance zwischen verfügbarem Platz und der möglichen Menge der zu benutzenden Figuren.

Spielsteine - Figuren zusammenfassen

Im Gegensatz zu dem was viele Wargamer so denken, die gerne von "Modellen" reden, sind die Figuren auf einem Spieltisch im Endeffekt auch nur "Spielsteine". Und wenn man interessante und variantenreiche Formationen und Szenarien auf dem Spieltisch darstellen bzw. spielen möchte, müssen genug solche Spielsteine vorhanden sein. Auf der anderen Seite aber nicht zu viele, sonst können wir die Figuren nicht mehr mit vernünftigem Aufwand bewegen. Das herum schieben oder Umstellen von hunderten von einzelnen Figuren ist definitiv nicht praktikabel. Wir montieren (kleben) unsere Figuren deshalb zu mehreren auf eine Standfläche (auch als "Base" bezeichnet). Und zwar so, dass diese zusammengestellt Formationen ergeben, die aussehen wie marschierende Kolonnen oder Soldaten in Schützenreihen. Das ist nichts Neues, Wargamer machen das - zumindest bei größeren Aufstellungen - schon immer so.

Einheitengrößen

Wie sollen also unsere "Spielsteine" oder Elemente aussehen? Was die Infanteristen angeht ist das leicht. Es passen gut 2 Reihen mit je drei Figuren auf das 5cm-Feld. Dann ist rundherum immer noch ein wenig Platz und es ist nicht zu eng um die Figuren aufzustellen oder zu greifen. Wir können also 3 Figuren auf eine Standfläche montieren und haben zwei Standflächen mit insgesamt 6 Figuren in einem Feld. Solche Grüppchen lassen sich gut in Kolonnen oder Reihen aufstellen und sehen auch mit schießenden Figuren bestückt (1 Base mit 3 stehenden Schützen und eine Base mit 3 knienden Schützen) ebenfalls immer richtig aus. Außerdem wollen wir ja auch die "Kommando"-Figuren darstellen, also Offizier, Fahnenträger und Trommler. Das sind drei Figuren und das passt so also auch ins Schema.

Auf ein 5cm-Rasterfeld passen auch 2 Reiter die wir aus praktischen Gründen jeweils zu zweit auf eine Standfläche montieren. Eine Kanone nimmt in etwa den selben Raum ein und die dazu gehörenden Artilleristen können wir lose daneben aufstellen oder mit auf eine Standfläche montieren - je nach Geschmack.

Figuren-Bedarf vs. Spielelemente

Wenn wir von der oben gemachten Zielvorgabe von etwa 300 Figuren ausgehen, stehen uns pro Seite 150 Figuren zur Verfügung und bei einer Aufteilung von 2:1 sind das 100 Infanteristen und 50 Reiter.

Der Denkfehler, den man an dieser Stelle leicht macht, ist der das man das 2:1 Verhältnis von Infanterie zu Kavallerie auf die Figuren und nicht auf die Spielelemente bezieht. 50 Reiter besetzen nach unserer Logik nämlich 25 Rasterfelder während die 100 Infanteristen (geteilt durch 6 Figuren) nur aufgerundet 17 Felder besetzen. Die Kavallerie belegt also nicht nur mehr Platz sondern hat, da jedes Element pro Spielzug eine Aktion hat, auch bei der Menge der Handlungen ein klares Übergewicht. Da müssen wir weiter unten also noch mal anpassen.

Einheiten-Bildung

Organisatorisch betrachtet sollen mehrere solche Rasterfelder eine Einheit ergeben, die ein "Regiment" oder ein "Bataillon" darstellt. Welchen Begriff wir da wählen ist egal, da wir von realen Größen und Aufteilungen und jeder echten Armee-Organisation - trotz der sehr ähnlichen Struktur - ohnehin ziemlich weit entfernt sind. Ich wähle im weiteren das "Bataillon".

Mir erscheint zwar eine 4 Felder-Lösung optisch schöner zu sein, aber um die Menge der Figuren im Rahmen zu halten entscheide ich, dass 3 Spielfelder ein Bataillon ergeben sollen. Das wären dann 3 Felder mit je 6 Figuren = 18 Figuren pro Einheit. Setzen wir das in Relation zu unseren 100 Infanteristen kommen wir auf rund 6 Bataillone (108 Figuren). Wegen des oben erwähnten Übergewichtes der Kavallerie erweitere ich die Anzahl der Infanterie-Bataillone einer Armee jetzt von 6 auf 8 und komme auf 144 Figuren bzw. 24 Rasterfelder.




Die 50 Figuren der Reiterei pro Armee behandeln wir nach einem ganz ähnlichen Schema. Bei dem angestrebten 2:1 Verhältnis dürften es jetzt allerdings gerade mal 12 Rasterfelder sein. Das ist mir nicht nur optisch zu wenig, ich möchte ja auch die verschiedenen Gießformen öfter einsetzen. Also Kürassiere, Husaren usw. herstellen. Um die Menge aber nicht schon wieder zu korrigieren - es würden dann ja auch noch mehr Infanteristen benötigt - lassen wir es erst mal dabei bewenden. Angepasst und erweitert wird später.

Die Reiterei wird natürlich ebenso in Einheiten organisiert und damit diese nicht zu klein aussehen, wähle ich Regimenter, die ebenfalls aus jeweils 3 Standflächen ("Schwadronen") zu je 2 Reitern bestehen. Und das Ganze 4 mal - also 4 Regimenter mit 6 Reitern. Das ergibt leider erst mal nur 24 statt der ursprünglichen 50 Reiterfiguren pro Armee.





Die Artillerie läuft bei solchen Berechnungen immer ein wenig außer Konkurrenz. Würde man sich auch nur annähernd an historische Verhältnisse halten, stünde bei einer solchen Aufstellung auf jeder Seite gerade mal eine halbe Kanone oder so. Das wäre ziemlich blöd. Wir können die Größenordnung der Artillerie deshalb nur willkürlich wählen. Angelehnt an die obigen 8 Bataillone wähle ich pro Infanterie-Einheit eine Kanone. Das wären dann 8 Kanonen plus Mannschaft pro Seite.

Zwischenbilanz mit Luft nach oben

Nun hat jede unserer Armeen 24 Infanterie, 12 Kavallerie und 8 Artillerie-Elemente und besetzt somit 44 Felder auf dem Spieltisch. Beide Armeen zusammen füllen 88 Felder und das ist dann nur noch rund 13,5% der Spielfläche. Was die Figurenanzahl angeht, sind wir bei 144 Mann Infanterie pro Seite, 288 insgesamt. Die Reiterei liegt bei insgesamt ("nur") 48 Figuren und die Kanonen sind 16 Stück plus jeweils 3-4 Mann Bedienung (also 48-64 Figuren). Macht insgesamt stolze 400 Figuren. Sagte ich nicht das es schnell aus dem Ruder läuft?





Was wir hier sehen ist – obwohl das jetzt gar nicht so wild aussieht - ein Schlachtplan mit 400 Figuren (zu den Kanonen denken Sie sich bitte jeweils 4 Mann Bedienung, die habe ich nicht dargestellt).

Dieser Entwurf läßt leicht erkennen das da noch Gestaltungsraum ist. Es wirkt so, als wären die Armeen trotz der hohen Figurenanzahl etwas zu klein dimensioniert. Zumal wir einige der Formen nicht so oft einsetzen wie ich mir das vorstelle. Allerdings können wir das Ganze nach Bedarf ja immer noch erweitern denn wir haben ja die Formen. Immer mal eine Einheit hier oder ein paar Figuren da, wie man will, Zeit und Lust hat. Das ist nun mal der ultimative Vorteil beim Zinngießen gegenüber gekauften Figuren.

Trotzdem bleibt uns jetzt erst mal, die rund 400 Figuren herzustellen. Also : gießen, entgraten, grundieren, bemalen, lackieren und auf Standflächen montieren. Das will erledigt werden. Zum Glück ist das aber mit ein bisschen Disziplin, Organisation und vor allem Serienbemalung durchaus zu schaffen. Serienbemalung heißt : wir gehen nicht hin und schattieren die Figuren oder treiben sonstigen übermäßigen Aufwand. Nein, man malt die Figuren entsprechend ihrer Uniformen in einfacher Weise an und das war es. Und zwar nach Möglichkeit immer einen ganzen Block von Figuren, sagen wir 10-20 Figuren und nach dem Schema : erst mal alle Röcke (Jacken), dann alle Hosen, dann die Stiefel, usw. (je nachdem wie man das am besten hinkriegt). Bei Großaufstellungen - und ein Umfang von 400 Figuren dürfte dazu zählen - macht man das so, also : ökonomisch bemalen.

Nach Formen aufgelöst am Beispiel der Franzosen

Zu guter Letzt möchte ich noch am Beispiel der französischen Seite festlegen wie die Einheiten aussehen bzw. wie viele Figuren von welchen Formen ich benötige. Bei der Infanterie der Franzosen stehen uns an Formen zwei Varianten zur Verfügung : Kaisergarde ( Form PA531 und Form PA539 ) und Linieninfanterie ( Form PA532 und Form PA540 ). Wir teilen die Armee der Einfachheit halber in einem 50:50-Verhältnis auf, d.h. 4 Bataillone Garde und ebensoviele Batt. Linieninfanterie. Beide stehen uns als Gießformen in "marschierend" und "schießend" zu Verfügung, allerdings bietet es sich an, von den "schießenden" Figuren etwas weniger zu machen, da marschierende Figuren im Gesamtbild stimmiger aussehen.

Jedes Bataillon besteht, wie oben beschrieben, aus 3 Segmenten bzw. besetzt 3 Felder, die ich wie folgt bestücken möchte:

Feld 1:
1x Fahne, Offizier und Trommler
3 Marschierende Soldaten


Feld 2:
2x3 Marschierende Soldaten


Feld 3:
3 x kniende Schützen
3 x stehende Schützen


Für 4 Bataillone Garde brauche ich also : 4x9=36 Marschierer, 12 kniende und 12 stehende Schützen sowie 4x Fahne, Offizier und Trommler. Für die Linieninfanterie gilt nochmal das gleiche. An dieser Stelle merkt man, dass wir eigentlich gar nicht so viele Figuren von jeder Art bzw. Form machen müssen um auf die obigen Zahlen zu kommen.

Was die Kavallerie angeht, stehen uns mit 7 verschiedenen französischen Kavallerie-Gießformen tatsächlich deutlich mehr zur Verfügung als wir nach diesem Schema bzw. bei den geplanten Figuren-Stückzahlen sinnvoll einsetzen können. Was aber positiv ist : über Auswahl können wir uns immerhin nicht beschweren. Ich werde 3 Formen einsetzen, davon mit einer 12, mit den anderen beiden jeweils 6 Figuren herstellen. Das müssen wir einfach mit Blick auf einen späteren Ausbau des ganzen betrachten. Wir machen also wenige Reiter pro Form und erweitern später um weitere Figuren oder Formen je nach Bedarf. Ich habe ohnehin das Gefühl das diese Planung irgendwie zu wenig Kavallerie vorsieht.

Erweiterung vorprogrammiert

Was man nicht vergessen darf : Wir wollen ja nicht immer gleichartige Szenarien spielen will sondern auch Schlachten, bei denen die Größenverhältnisse anders sind. Wir benötigen also auf jeden Fall noch zusätzlichen Truppen von jeder Art um flexibel zu sein. Die Formen kommen also wesentlich öfter zum Einsatz als hier für einen ersten Aufbau geplant ist.

Und eine Überraschung...

Da die Figuren, die ich letztens hergestellt habe, wegen der Untersuchung der Größenverhältnisse hier nebenan auf dem Tisch stehen, entdecke ich auf einmal, dass ich von den marschierenden Gardisten schon deutlich zu viele hergestellt und bemalt habe und problemlos noch zusätzliche Bataillone aufstellen oder die vorhandenen vergrößern kann. Mengenmäßig habe ich, als ich beim Gießen einmal im Schwung war und noch überzählige Figuren gegossen habe, die Kaisergarde praktisch schon fertiggestellt (sogar ohne Schützen) und somit etwa 1/8 des 400-Figurenprojektes an einem Tag gegossen und in wenigen Tagen fertig gemalt.

Woran man sieht : Es geht tatsächlich schneller als man denkt. Zerlegen wir das Projekt in weitere "verdauliche" Segmente werden wir schneller fertig als erwartet. Später, wenn wir den Bestand erweitern, werden die Abschnitte sogar noch kleiner als zu Anfang. Ich muss mir allerdings wohl so etwas wie eine Checkliste machen, sonst mache ich schnell mal die falschen oder zu viele Figuren.


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