Crisis 2012 - Ein Protokoll (plus Bildergalerie)

So, hier meine gesammelten Impressionen zur diesjährigen Crisis in Antwerpen (3.11.2012).

Wer übrigens jetzt einen der dösigen himmelhochjauchzenden "Con-Berichte" erwartet , wie man sie im Web überall findet, hat sich getäuscht. Oder sind Aneinanderreihungen von Bilder schon ein Bericht? Wohl kaum.

Aber los gehts...

Wir waren mit drei Mann in Antwerpen und waren beim Eintritt schon ein bißchen überwältigt vom Umfang des Ganzen . Wie immer gabs am Eingang eine Messeminiatur für die ersten 1000 Besucher. Da wir erst um ca. 11.00 Uhr da waren und erkennbar  war, das sonst niemand mehr eintraf und wir aber trotzdem noch jeder eine der Minis bekamen, dürfte die Besucherzahl die tausend nicht oder höchstens so gerade eben überschritten haben. Trotzdem wirkte es voll und die zweitgeteilte Halle ziemlich groß. Als wir am am Durchgang zum zweiten Teil der Halle angekommen waren, wurde klar, das dahinter nochmal ordentlich was zu sehen war.

Anfahrt & Orga

Ups, Antwerpen liegt in Belgien und die Autobahn dorthin wird direkt hinter der holländisch-belgischen Grenze zu einer regelrechten Buckelpiste. Das ist jedesmal kein Spaß, selbst Leute, die keine Autofetischisten sind, bekommen da Angst ums Fahrwerk. Das es dabei auch noch heftig geregnet hat - nochmal ups, es ist ja November - kam erschwerend hinzu. Diemal kam mir die Fahrt zum ersten mal anstregend und lang vor.

Am Ziel angekommen war die Beschilderung zur Crisis kaum zu sehen und wenn ich nicht via Google Maps & Street View eine Vorschau betrieben hätte, hätten wir uns sicher erstmal verfahren, trotz des Navis. Wirklich blöd war, das an der Einfahrt eine Schranke aufgestellt war die mit einem "Durchfahrt-Verboten" Schild versehen worden war, an dem sich alle Besucherfahrzeuge tapfer vorbeidrängen sollten (oder nicht?). Das Ganze war so zugestellt und sah nicht wirklich so aus, als dürfe man da tatsächlich hineinfahren. Wir taten es trotzdem.

Das Parken war diesmal leider grenzwertig, das war bei der alten Halle tatsächlich besser. Wir bekamen mit Not den buchstäblich letzten Parkplatz, während dies beim Metropolis-Zentrum nie ein Problem war. Der Weg bis zum Eingang war dann auch noch so matschig, das am nächsten Tag erst mal Schuheputzen angesagt war.

Wie man zwischenzeitlich hört, war das mit dem eingeschränkten Parkplatz so nicht geplant, scheinbar wurde dort ein Gerüst für einer Snowboard-Meisterschaft gebaut, das den größten Teil des Platzes einnahm. Wenn der Veranstalter aber behauptet, das er deshalb nichts dafür kann, hat er sich geschnitten. Auch hier gilt : Gleiches Maß für alle. Andere Veranstaltungslocations würden sowas nicht bringen...

 

Catering

Das vollmundig angekündigte "eigene und deshalb bessere" Catering erwies sich leider als mittlere Katastrophe. Es gab im Eingangsbereich einen Bereich mit langer Bar, etwa 20 Tischen und einem Grill. Dieser Grill sollte Bratwürstchen für alle Besucher produzieren, erzeugte aber hauptsächlich schlechte Luft. Die vordere Halle bzw. der vordere Teil befand sich deshalb die ganze Zeit in einer Bratdunstwolke. Es gibt sicher Leute, die das nicht stört, für mich war es fürchterlich. (Meine Frau mokierte später den Gestank in meinen Klamotten...)

Vor jenem Grill nun bildete sich sehr schnell eine lange Schlange, die sich durch den ganzen Cafeteria-Bereich zog und die erst ziemlich spät am Tage kürzer wurde. Auch um 14 Uhr hätte man immer noch geschätzte 20 Minuten für eine Bratwurst anstehen müssen. Für uns war das definitiv zu lang. Dumm nur, das man an dieser Stelle im Hafen weit weg ist von allen Alternativen (zumindest ohne lange zu suchen). Rund um das Metropolis gabs immerhin noch andere Restaurants.

So blieb es bei einer Tasse Kaffee und es vergingen zwischen dem Frühstück vor der Abreise und der nächsten Mahlzeit mehr als 12 Stunden, weil wir uns auf der Heimfahrt gegen einen Besuch des örtlichen McDonalds entschieden und nicht noch nach Antwerpen hineinfahren wollten, nur um eine Frittenbude zu finden.  Diesen einen Kaffee nun nahm man übrigens auf Sitzgelegenheiten und an Tischen, die direkt vom Sperrmüll zu stammen schienen. (Ich fragte mich, was eigentlich sonst so in der Halle stattfindet und kam nur auf Vampirparties a la "Blade")

Sorry, aber die Veranstalter haben sich mit dem Catering völlig übernommen. Wer mal selbst im Garten gegrillt hat, hätte wissen dürfen, das man Bratwürste für hunderte oder sogar tausend oder mehr Menschen nicht auf einem einzigen Grill braten kann und das es auch mit mehreren Grills nicht in der adäquaten Zeit zu bewältigen gewesen wäre. Wenn man mal von der "Scheißhausidee" absieht, die Halle einzudunsten. Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, unsere belgischen Nachbarn haben ein anderes Verhältnis zum Brattfett als wir...

Hier noch ein Zitat aus dem Web :

"...verzog sich der Rest zum Autos und genoss die mitgebrachten Stullen. Was im Nachhinein die bessere Wahl gewesen wäre, das Essen war schlecht. Fettig, geschmacklos und teuer. Naja, gegenüber dem alten Modus (Frittenbutze à la McDonalds) war dies fast zu erwarten. Hier besteht Nachholbedarf, TSOA!" (Quelle : http://zinngebirge.blogspot.de/2012/11/tour-de-crisis.html)

Aussteller

Es waren wie immer viele da, wenngleich auch die vorab veröffentlichte Ausstellerliste wohl nicht ganz den Tatsachen entsprach. Aber sie war sehr viel umfangreicher als bisher, laut Hallenplan genau 99.

Zur unserer Freude waren viele Stände und Hersteller dabei, die man noch nicht kannte oder noch nicht aus der Nähe gesehen hatte und die sehr interessantes Material hatten. Andere Stände allerdings hätte ich schon locker mit aufbauen können, denn die waren die selben wie in den vergangenen Jahren. (Anders gehts ja auch nicht, aber den deutschen Händlern wird das ja auch immer vorgeworfen.)

Was mich wirklich etwas irritiert hat ist, dass ich beobachten musste, dass Besucher an den Ständen manchmal etwas zu argwöhnisch überwacht wurden. Ich habe dass dann ein bißchen beobachtet und ich dachte, ich schaue Hühnern zu, die ihre Nester verteidigen müssen. Die Köpfe gingen nur noch hin- und her. Bei einem Buchhändler, bei dem ich in den letzten Jahren immer was kaufte und auch diesmal fündig wurde, wurde ich selbst beim Abschreiten der Auslage so intensiv beobachtet, dass ich fast drauf und dran war, zu gehen. Man scheint mit Diebstahl  einige Erfahrung zu haben. Oder man kann nicht glauben, das jemand die Titel der ausgelegten Bücher so schnell überfliegen kann (Yes,Sir, ich kann das. Jahrelange Übung.)

Insgesamt machten viele Händler einen etwas unentspannten, ja fast unzufriedenen Eindruck. (Finanzkrise? - Zu viel Konkurrenz?). An anderer Stelle schreibt dazu jemand:

"Die Nationalitäten der Aussteller ging in alle Richtungen, Engländer, Holländer, Belgier und Deutsche machten meinem Gefühl nach ein super Geschäft. Die Preise waren teilweise auch wirklich überwältigend niedrig. " (Quelle : Games N Dice).

Das ist sehr typisch, "Verbraucher" (wenn ich das mal so sagen darf) lassen sich leicht blenden. Aus meiner sicher etwas professionelleren Sicht kann ich das so nicht unterschreiben. Insgesamt ist über Jahre hinweg zu beobachten, das man dort auf der Crisis zu Preisnachlässen oder "Messepreisen" kaum bereit ist, während in Good Old Germany bei jedem Verkauf, egal wie niedrig der Preis schon ist, immer noch verhandelt wird. Der Zuwachs an Anbietern wird dieses Jahr das Geschäft auch nicht leichter gemacht haben, denn aufgepasst : je mehr Händler, desto weniger bleibt für den Einzelnen hängen. Es werden ja nicht automatisch mehr Besucher.

(und wie oben bereits erwähnt : nicht viel mehr als rund 1000 Besucher auf 99 Anbieter)

Spaßig wurde es, als wir es selbst mal mit Handeln versuchten und auf Granit bissen. Der kleine und immer etwas "giftige" Franzose (oder Wallone?) war kurz davor, komplett die Fassung zu verlieren obwohl es nur um 1-2 Euro ging. Er wackelte mit dem Oberkörper herum und stampfte mit den Füssen, ging weg und schickte seinen Vater(?) vor um dann wieder zurückzukommen. Einmal abgesehen davon, das er natürlich kein Wort englisch sprach und deshalb kaum verstand, was die meisten seiner Kunden von ihm wollten. Wozu auch?  Der war übrigens auch letztes Jahr da, hat meine Kollegen mit falschen oder unverständlichen Preisangaben getäuscht, was diese damals erst beim Zählen des Wechselgeldes gemerkt haben um sich die Diskussion dann aber aus Höflichkeit zu verkneifen. Nächstes Jahr werden wir den wieder besuchen...

 

Nachtrag

Das meine Annahmen über eher grenzwertige Ergebnisse der Händler stimmen (gutes Auge, woll?) unterstützt dieser Eintrag im Forum von Pendraken-Miniatures :

"The large downside to the day though, was the downturn in trade.  I spoke with around a dozen of the English traders there, and only 2 reported good sales in comparison to last year.  The numbers through the door were around the 1200 mark according to one club member, which is a very similar number to 2011.  Having an extra 30-40 traders though, means that the collective spending power of those people is spread out across a greater area, and most traders seemed to experience this.  For Pendraken, this meant that we didn't even cover the costs of our hotel/ferry/petrol for the trip, which is a real shame, as we enjoy our trips over to the continent so much. As a comparison, shows in the UK around the 1200+ visitor mark would be Derby, Triples, Warfare and York, all of which have somewhere in the region of 50-70 traders I believe.  To support nearly 100 traders, you need to be hitting at least 2000 visitors I would think.  The positive for Crisis though, is that I'm certain that every visitor to this years show will have thoroughly enjoyed their day out, so 2013 should see a growth in visitor numbers for them." (Quelle : http://www.pendrakenforum.co.uk/index.php/topic,6357.0.html)  

Angebot

Ach ja, Neuheiten. Hab ich nicht ganz so viele gesehen. Aber es waren durchaus  interessante Sachen da, wenngleich auch viel bekanntes Standardsortiment angeboten wurde und auch viel altes Zeug zu haben war.

Insgesamt hinterlassen fast alle Händler und Hersteller den  Eindruck, das es sich eigentlich auch nur um ziemlich kleine Klitschen handelt, bei denen Papa das meiste selbst macht. (Naja, das haben wir ja ohnehin schon alle gewusst) Auch scheinen es viele nötig zu haben, jede irgendwie rumliegende Figur zu verkaufen, auch scheinbar private Bestände. Insofern unterscheidet sich die Crisis auch da nicht von deutschen Veranstaltungen/Börsen.

Allgemein kann man beobachten, das Lasercut geschnittene Teile immer mehr im Kommen zu sein scheinen. Ein tolles Stecksystem mit dem man beeindruckende Gebäude bauen kann fiel mir besonders auf. (Wolsung Terrain)

Auffallend war auch - wie schon öfter - das Produktlinien, die bei uns in Deutschland immer sehr präsent sind, deutlich weniger zu sehen waren. Hier kann jeder mal sehen, dass das Wargaming-Hobby eben doch mehr ist Warhammer, Warmachine, Kings of War, Infinity und Co.Insofern wäre die Crisis für manchen deutschen Wargamer mal eine Reise wert.

Spieltische

Die Spieltische sind auch ein Grund, warum ich Veranstaltungen wie die Crisis besuche, so verrückt sich das anhört. Die sind natürlich immer schön anzuschauen und für jeden Hobbyisten inspirierend. Allerdings standen hier welche, die man schon mehrfach gesehen hat.

Was mich aber bei allen Veranstaltungen dieser Art stört ist, das man sich die Tische gar nicht wirklich in Ruhe anschauen kann. Die dort agierenden Spieler oder abgestellten Wachposten sind teilweise so "nervös", das man sich manchmal gar nicht nähern oder allzu lange aufhalten möchte. Kann natürlich mit der Angst vor Figurendiebstahl zusammenhängen, Angst vor Beschädigungen oder mit den privaten Gegenständen, die da oft rumstehen (dumm genug). Als Besucher fühlt man sich da manchmal (nicht immer) wie ein Eindringling und das hat für mich einen etwas unangenehmen Beigeschmack. (Sorry, ich bin bei sowas etwas empfindlich, wie man sicher merkt.)

Wie immer wurde übrigens nur an einem Teil der Tische wirklich aktiv gespielt. Ich denke mir, das dafür sowieso zu wenig Zeit sein dürfte. Die störende Geräuschkulisse und natürlich die benötigte Zeit für das eigene Stöbern/Einkaufen dürften das auch verhindern. Vielleicht - so mein Gedanke - schleppen manche deutsche Clubs ihre Spieltische nur deshalb zur Crisis, um wenigstens ein paar Sitzplätze zu ergattern? Wenn ja, keine schlechte Idee. Oder gehts nur mal darum, von Muttern zu hause wegzukommen?

 

Bring & Buy

Anderes Konzept diesmal, leider nicht unbedingt zum Vorteil. Es gab deutlich weniger zu kaufen weil es für die Anbieter umständlicher war, denn diesmal mussten sie ja selbst dort sitzen bleiben um ihre Sachen zu verkaufen. Wir erinnern uns : früher standen am Bring & Buy so viele Leute an, das wir uns auch schon mal entschieden, eine Stunde zu warten um es dann noch mal zu versuchen. Davon war diesmal nichts zu sehen, denn das Angebot war zu gering. Netter Versuch, leider ein bißchen nach hinten losgegangen.

FAZIT

Größer diesmal, wegen der immerhin vorhandenen Luft auch besser zu ertragen. Gleichzeitig aber auch einige weniger gelungenen Details und weiterhin ein absolutes "Versagen" (wenn man das so sagen darf) beim Catering. Das man sich bei solchen Veranstaltungen, bei denen man ja Gast ist und sich möglichst lange aufhalten soll, nie hinsetzen und sich mal unterhalten kann, nervt mich langsam wirklich.

Als Einkaufsmöglichkeit bleibt die Crisis sicher toll, weil sich standortbedingt auch viele englische Hersteller sehen lassen und man, wenn man wollte, viel wegschleppen kann.  Auch Anregungen lassen sich viele sammeln, da wie immer wirklich viele unterschiedliche Spieltische aufgebaut waren.

Die Crisis bleibt eine Reise wert, wenngleich sie auch diesmal ihre kleinen Macken hatte.

 






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