Hobby, Nachhaltigkeit & Computerblödsinn

Dieser Artikel erschien bereits 2013 in dem von mir betriebenen Blog mit dem Titel "WargamesandWhisky.com". Einige der dort veröffentlichten, meiner Ansicht nach, informativen oder lesenswerten Artikel habe ich auf diese Seite herübergerettet. Er wird hier im wesentlichen unverändert, evtl. mit leichten Anpassungen, wiedergegeben.

Keine Angst, dieser Beitrag ist zwar "Off-Topic", hat aber am Rande auch mit dem Hobby zu tun.

Gestern hab ich mehr oder weniger den ganzen Tag geschrieben. Die daraus resultierende Datei umfasste 28 KiloBytes im RTF Format. Ausgedruckt sind das etwa 7 DIN A4 Seiten mit einer 10 Punkt Schrift. Mag auf den  ersten Blick nicht viel wirken, aber in richtigen Buchseiten ist das noch mehr. Und es war ja selbst getextet- so was kostet Zeit - und unterbrochen von kleinen Recherche Ausflügen ins Netz. Man kann noch mehr schaffen, aber einen 350-Seiten Schmöker hätte ich damit in etwas über 40 Tagen auch im Kasten. Und für manche Zeitschrift wäre das ein fetter Artikel.

Als ich nun diese Datei zusätzlich auf einen USB-Stick sicherte, kam mir der Gedanke, diese Menge an Output mal in Beziehung zu den vorhandenen EDV-Ressourcen zu setzen. Und das ist sehr lehrreich.

Gehen wir Punkt für Punkt vor :

1)

Gehen wir zuerst einmal weit in der Geschichte zurück. Mit den 28 KB hätte ich den Speicher eines alten 80er Jahre Homecomputers in 2 Tagen vollgeschrieben. Mein alter Amstrad-Homecomputer hatte 100kb Disketten. Die hätte ich in etwa 4 Tagen voll. Naja, das ist noch nicht so wild, würde aber für einen "Schriftsteller" schon irgendwie reichen. Ein Buch müsste man dann einen Stapel Disketten verteilen. Ich hab meinen Rechner damals übrigens tatsächlich für die Textverarbeitung genutzt, hatte mir extra das teure Programm "Textomat" von Data Becker zugelegt. Ja, ich war das.

2)

Mein erster IBM-kompatibler PC (mit DOS) nun hatte ein 160kb Floppy-Laufwerk, das sind nach obiger Rechnung etwa 5,7 Tage. Also rund eine Arbeitswoche. Eine volle Diskettenbox hätte dann ungefähr für den Output eines Jahres gereicht. Der selbe Computer hatte auch eine 20MB Festplatte. Das sind 20*1024kb = 20840 kb. Da gehen die 28kb schon 744 mal hinein. (Den Platzverbrauch durch System und Programme lasse ich mal weg) Das wäre also der Output von 744 Tagen, das entspricht 2,03 Jahren. Ich müsste also 2 Jahre lang jeden Tag auf der Tastatur des 24 Jahre alten PC's herumtippen, um den voll zu kriegen. Nicht schlecht.

3)

Überspringen wir ein paar Jahre, lassen wir Amigas, 386er, P90, Windows 3.11 bis XP und den ganzen anderen Quatsch und die damit verbundenen Rechner mal außen vor und werfen wir einen Blick auf einen mittlerweile recht alten 512MB USB-Stick. Den benutze ich an einem ebenfalls alten Mac-Mini (G4), den ich hier manchmal zum Schreiben einsetze. Auf diesen unscheinbaren USB-Stick passen die 28kb genau 18724 mal. Also 18724 Tagesrationen Text. Teilt man das durch 365 Tage (Feiertage lasse ich weg), kommt man auf 51,3 Jahre. Der Stick wiederum ist aber kleiner als eine CD-ROM, die es ja nun auch schon seit den 80ern gibt. Auf die gehen dann nämlich schon 64,12 Jahre. Der alte Mac-Mini hier wiederum hat eine für heutige Verhältnisse relativ kleine Festplatte mit nur 80 Gigabyte. Das entspricht dann der Schreibleistung von schlappen 8618 Jahren.

Und ich hab noch andere Kisten herumstehen. Und portable Festplatten, Laptop, und so ein Zeug. Nicht das nicht noch mehr Sticks, SD-Chips, sogar noch alte Disketten, MO-Laufwerk und Platten, DVD-Brenner, usw. herumfliegen. Der ganze Blödsinn, der sich im Laufe eines EDV-Lebens so ansammelt. Ach, ein paar alte ausgebaute Festplatten geistern wohl auch noch herum. Und ein paar eingelagerte alte Homecomputer will ich gar nicht mitzählen, deren Einsatz wäre problematisch (ich könnte die Daten aber übertragen, die Kette ist noch nicht gerissen...)

Das bedeutet : Eigentlich Speicherplatz für buchstäblich zehntausende(!) von Jahren des Schreibens. Platz für Legionen von Fotos und Zeichnungen, Tabellen und Datenbanken.

Es drängt sich der Gedanke auf : Kann es sein, dass wir unsere Geräte und Dinge nicht effektiv bzw. ökonomisch nutzen? Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt, glaube ich. Eher könnte man - die Computerentwicklungen der letzten Jahrzehnte betrachtend -  auf den Gedanken kommen, dass eine Horde Schimpansen mit Bananen spielt und dabei immer neue Möglichkeiten findet, um sich auf jeden Fall vom nutzbringenden Einsatz der Bananen abzulenken.

  Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer nur an das, was uns fehlt

Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Recht hatte er, schon zu seiner Zeit. Es gibt allerdings noch einen Unterschied zu damals : uns fehlt - im Vergleich zu anderen Epochen - nicht mal mehr so "richtig" was.

 

Was sind denn das für Gedanken?

Ach ja, sowas kommt, wenn man die Windeln abstreift und ein bißchen älter wird, glaube ich. Alles relativiert sich ein bißchen, so manches verliert seine angebliche Wichtigkeit. Das gilt auch für unser Hobby hier. Da bin ich immer ein wenig rumgelaufen wie ein kopfloses Huhn, mal hier lang, mal da lang. Hätte ich mich auf einige wenige Dinge konzentriert, hätte ich entweder eine Menge Geld gespart oder manches wenigstens gezielter ausgegeben. Und wäre mit manchen Projekten auch viel weiter.

Aber nein, ich bin - wie im Computerbereich - aus lauter Begeisterung immer wieder jeder Ablenkung gefolgt. Bei mir kommt ja erschwerend hinzu, dass ich dem Ganzen auch noch beruflich ausgesetzt war und bin. Auch da kamen Ablenkungen und Anforderungen (Fantasy/Spiele-Ladenbetreiber müssen auch Gamer sein!)  hinzu.

Das Ergebnis ist ein irgendwie wildes Konglomerat aus angefangen Projekten, halben Armeen, liegen gelassenen Ideen, nie gespielten Spielen, teilbemalten Miniaturen, thematisch bunte Figurenhaufen, aufgeschobenen Bauprojekten und noch mehr. Und, so weit ich das sehe, geht das buchstäblich jedem Hobbyisten so, dem ich begegne. Beim Ausruf "Nicht noch eine Baustelle" gucken zumindest die meisten wissend.

Dabei steht in jedem Figuren- oder Modellbauhobby-Buch, Anfänger sollten sich ein Thema / Maßstab /Epoche usw.  aussuchen und sich erstmal darauf konzentrieren. Ein guter Tipp, geradezu Gold wert. Aber nur, wenn man ihn denn  a) überhaupt zu Gesicht bekäme, denn Hobbybücher sind nicht so verbreitet oder b) schlau genug wäre um auch darauf zu hören. Ich füge hier  offiziell hinzu : Gilt nicht nur für Anfänger sondern auch für Fortgeschrittene.

Auch im Hobby gilt : Überlegung, Planung und vor allem Beschränkung sind wichtig. Nachhaltiges wirtschaften mit den vorhandenen Ressourcen ist wichtig. Ebenso Überlegungen dazu, was man eigentlich wirklich erreichen möchte oder überhaupt erreichen kann. Und was man dafür wirklich braucht.

 

Können wird bitte nochmal zurück zu den Computern kommen?

Sicher. Warum ich mir auch da solche Gedanken mache, ist ganz einfach : Mein letzter Komplettrechner, an dem man leider kaum was austauschen konnte, hat vor kurzem scheinbar aufgrund geplanter Obsoleszenz den Geist aufgegeben - anders kann ich mir nach einiger Murkserei den sehr ungewöhnlichen Nach-und Nach-Ausfall der Maschine nach einer etwa dreijährigen Laufzeit nicht erklären. Also, das hatte ich in rund 30 Jahren Computerei definitiv noch nicht.

Und ich frage mich : "Ist das Geld, dass ich denen gegeben habe, etwa auch schlecht geworden?" Natürlich nicht. Das haben die noch immer und das was ich habe, ist jetzt nur noch Schrott. Ein tolles Geschäft. So entsteht der Unterschied zwischen Reich und Arm. Man muss nur dafür sorgen, das bestimmte Leute immer kassieren, andere immer zahlen.

Nein, Freunde, so läuft das nicht. Ich weiß auch, wo beim Lötkolben die heiße Seite ist. Deshalb hab ich als erstes aus meinen gesammelten "Resten" einen passablen Rechner zum Arbeiten zusammengebaut. Der reicht interessanterweise völlig aus, selbst bei der Softwareentwicklung. Das Imperium schlägt diesmal wirklich zurück. Als nächstes macht es einfach den Geldbeutel zu und dann schauen wir mal, wer den längeren Atem hat.

Und wenn Sie wissen wollen wie lang mein Atem ist : Ich habe mich 1984 mal sehr über die Firma "Texaco" geärgert und dann konsequent nicht mehr bei denen getankt. Auch nicht als sie schon DEA hießen. Und wenn ich heute eine Tankstelle von denen sehen würde, würde ich nach Möglichkeit immer noch vorbeifahren...

 

Und den Atem werden sie brauchen...

Wenn man so lange damit zu tun hat, gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass sich im Computer-Bereich alles immer mehr in Mist verwandelt. Oder will jemand Windows 8? Wieder eine neue Runde um den Platz drehen? Und dann 15 Jahre lang Sicherheitspatches installieren? Und Runtime-Module? Neue Software kaufen weil alte nicht mehr läuft? Und die alte vergessen obwohl man die noch braucht? Neue Softwarepatches, neue Browser, Knebel- und Spyware, Java-Update 2312.05.x und das Flashplayer-Update Nr. 362 installieren um - oh Wunder der Technik - Videos anzuzeigen? Vielleicht auch bald wieder neue Drucker und Scanner kaufen, weil die alten wegen nicht vorhandener Treiber nicht mehr funktionieren?

Also Freunde, irgendwann wirds lächerlich. Wer braucht den Quatsch?

Dieser Text hier ist übrigens 9,5 Kilobytes groß.

Nachtrag 2018: Irgendwann danach, als ich feststellen musste das ich mit den gewohnten Tools und Sprachen unter Windows nicht mehr vernünftig arbeiten konnte, wechselte ich endgültig zu Linux. Hard- und Softwareprobleme sind seitdem nahezu verschwunden. Auch wenn dort nicht alles perfekt ist, ist es ein wesentlich entspannteres Arbeiten. Man hat wieder die Kontrolle und die Kisten tun wieder was man ihnen sagt...









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