Zinnfigurenbörse Kulmbach 2013 - Teil 3 - Das Plassenburg-Museum (Galerie)

Am Sonntag morgen machten wir unseren zweiten, diesmal kürzeren Abstecher auf die Börse. Wenn man schon mal da ist, muss man natürlich noch mal einen Blick darauf werfen. Im Zelt war diesmal wesentlich weniger los, wahrscheinlich hatten sich viele Besucher auf Freitag und Samstag konzentriert, denn am Sonntag geht die Börse nur noch bis 12.00 Uhr mittags. Oder der Schwerpunkt hatte sich auf die Preisverleihung in der Stadthalle verschoben. Die haben wir aber ausgelassen, da wir noch die Plassenburg besichtigen wollten, bevor wir unsere Heimreise antraten.

Und das geht, wenn man den ganzen Vortag unterwegs war und alle müde und ein bißchen schlapp sind, für 1,20 Euro pro Person mit dem Bus am bequemsten. Der fährt direkt beim Festzelt ab und in 5 Minuten ist man oben auf dem Berg und hat eine schöne Aussicht. Laufen geht aber auch, es ist nicht so weit...

Die ziemlich große und wuchtige Plassenburg enthält insgesamt 4 Museen. Eines davon ist das Deutsche Zinnfigurenmuseum, dass mit ca. 300.000 Figuren als das größte Zinnfigurenmuseum der Welt gilt. Es wurde 1931 eröffnet, im Krieg geplündert und 1953 wieder eröffnet. Gezeigt werden rund 170 große und kleine Schaukästen, darunter einige sehr große Dioramen, das Ganze verteilt auf mehreren Etagen bzw. Sääle. (Ein Aufzug ist übrigens vorhanden.) Manche der Darstellungen hat man schon mal in Büchern gesehen, so z.B. das große Leuthen-Diorama und auch aus den Spielfiguren-Vitrinen kennt man die eine oder andere Darstellung. Im letzten Saal schließlich gab es eine kleine Sonder-Ausstellung zum aktuellen Karl May-Jubiläum mit einer Anzahl von verschiedenartigen Wild-West-Darstellungen. Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet ein riesiges Diorama der Belagerung der Stadt Kulmbach (1533-34), dass alleine schon 19.500 Figuren beinhaltet (leider zu dunkel für meine Kamera) und von einem kleinen Videofilm zu der Belagerung begleitet wird.

Für Zinnfiguren-Fans und Leute, die sich für Geschichte interessieren oder einfach Spaß an den vielen kleinen bunten Figuren und Dioramen haben, ist das Ganze absolut sehenswert. Auch hier findet sich eine Mischung aus militärischen Darstellungen und vielen zivilen, historischen oder Naturdarstellungen und ein Ausflug mit der ganzen Familie lohnt sich mit Sicherheit. Diese Ausstellung läßt keinen kalt, sie ist einfach zu schön.

(Übrigens : die Plassenburg hat eine ziemlich bewegte Geschichte hinter sich und ist nebenbei auch noch der Ursprungsort der berühmten Grusel-Legende von der Weißen Frau.)

 

Und doch...Ein bißchen ausser der Zeit

Ich muss alles kritisieren, sorry. Und deshalb muss ich hier anmerken, dass auch bei diesem sehr umfangreichen und überaus sehenswerten Museum, die volle Bandbreite des Zinnfiguren-Hobbys eigentlich gar nicht so ganz abgedeckt wird. Und das bei der langen Zeit, die das Museum schon existiert, einem sicher vorhandenen Budget und offensichtlich auch ausreichendem Platz. Schauen wir uns die Punkte im Einzelnen an :

Es hat mich zum Beispiel gestört, dass das Herstellen von Formen und das Zinngießen für nicht informierte  Laien definitiv nicht wirklich erklärt oder gezeigt wird. Es gab zwar eine Vitrine mit Werkzeugen und Formen, der Vorgang wurde aber nicht klar. Selbst ich als eingefleischter Zinngießer hab vor dem Kasten gestanden und ein bißchen gerätselt. Was wollte uns der Künstler damit sagen? Hier möchte man rufen "Willkommen im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter des Computers und der Videos!" Aber das möchte man ja in vielen Museen. Der ganze handwerkliche Herstellungsprozess und der Werdegang des Handwerkes gehört hier einfach mit hinein und das fehlt.

Ein anderer Kritikpunkt ist der, dass man scheinbar auch alle sonstigen Entwicklungen der letzten 30-40 Jahre verschlafen hat oder, besser gesagt, gewillt ist, diese gewissermaßen zu ignorieren. Und für ein Museum, dessen Aufgabe die Informationssammlung, Bewahrung und Vermittlung ist, ist das meiner Ansicht nach die falsche Haltung. Durch das aus England gekommene "Wargaming" nämlich hat das Zinnfigurenhobby, der Dioramenbau, das Angebot und die Nutzung in den letzten Jahrzehnten um ganze Dimensionen zugenommen, von denen hier aber nicht mal ein Quentchen zu sehen ist. Um mal ein einziges und sehr einfaches Beispiel heranzuziehen : der Hype um die "Herr der Ringe"-Filme ist nun auch schon wieder rund 10 Jahre her. Ein ganzes Jahrzehnt, wer hätte das gedacht. Zinnfiguren dazu wurden zu hundertausenden, wenn nicht millionenfach, verkauft. Das bedeutet : wahrscheinlich in größerer Auflage, als so manche "Heinrichsen"-Figur je vorweisen konnte. Und "moderne" Wargaming-", Dekorations- und Aufstellfiguren aus Zinn gibt es nun auch schon seit einigen Jahrzehnten. Spätestens seit den 60er Jahren ist da ein deutlicher Trend zu verzeichnen. Irgendwann in den 80-90er Jahren wurden sie für die interessierten so auffällig, das man sie eigentlich nicht wirklich hätte übersehen können.

Bei aller verständlichen Vorsicht im Bezug auf die Gestaltung und Auswahl der Ausstellung wären neuere Entwicklungen zumindest irgendwie erwähnenswert gewesen, immerhin werden ja auch die "Wargaming" Figuren der Großväter im ersten Saal der Ausstellung gezeigt. Nachwachsende Generationen dürfen meiner Ansicht nach durchaus erwarten, dass auch die Produkte, Figuren und "Bilder" ihrer Zeit Erwähnung finden. Wenigstens ein bißchen. Ich denke da jetzt nicht an mich, denn ich gehöre ja auch eher zu den Liebhabern klassischer Zinn- und Spielfiguren. Aber ein Informationsstand auf dem Niveau von vor mehreren Jahrzehnten darf auch bei einem eher konservativen Museum, dass sicherlich zu Recht an einer klaren Linie interessiert ist, die hier auch nicht in Frage gestellt werden soll, irgendwann als leicht "überholt" gelten.

To be Flat or not to be Flat ?

Man muss das obige noch ein bißchen erklären. Ich denke, die oben beschriebene "Einseitigkeit" hat immer noch mit der obskuren und völlig willkürlichen Trennung zwischen "Zinnfigur" (flach, Kunstwerk, edel und zu umfassenden historischen Darstellung geeignet) und "Bleifigur" (plump und nur fürs böse Kriegsspielen da) zu tun. Bei dieser eigentümlichen Diskriminierung wird gerne vergessen, dass die "Zinnfigur"  - die Flachfiguren-Freunde beanspruchen für diesen Begriff gerne einen Alleinvertretungsanspruch - auch mal hauptsächlich Kriegsspielzeug war und nur aus ziemlich handfesten praktischen Gründen durch die robuste plastische Figur aus ihrer eigentlichen Funktion verdrängt wurde.

Es waren dann die Flachfiguren-Liebhaber, die der mehr oder weniger "arbeitslos" gewordenen flachen Zinnfigur völlig willkürlich eine neue "elitäre" Bedeutung gaben, indem sie sie zur "kulturhistorischen Zinnfigur" erklärten und sich damit von der schnöden Spielfigur abgrenzten. Natürlich ist da was dran, schon wegen der thematischen Vielfalt. Trotzdem sehe ich angesichts der immer noch stark militärisch geprägten Ausrichtung der meisten Flachfigurensortimente im Endeffekt nur eine sehr dünne Trennlinie. Eine Trennung übrigens, die es im Ausland nach meiner Beobachtung scheinbar nicht gibt, wenngleich dort die Flachfiguren ohnehin nur wenig populär waren und sind. Sofern sie überhaupt bekannt sind.

 Aber, um es noch mal klarzustellen :

Von der oben geäußerten Kritik soll sich aber bitte niemand von einem Besuch der Burg bzw. des Zinnfigurenmuseums abhalten lassen, denn Sie würden sich um eine einzigartige, so wohl nirgendwo anders zu sehende Ausstellung bringen. Wer diesen Text liest, weiß jetzt zwar, das es noch mehr gibt, das schmälert aber den Unterhaltungs- und Informationswert und die Einzigartigkeit der vorhandenen Ausstellung natürlich in keinster Weise. Ich zumindest werde sie mir hoffentlich noch ein weiteres mal ansehen können. Wenn nicht noch öfter. Und meine Frau spricht auch schon davon, das wir in zwei Jahren wieder dort hinfahren. Ein gutes Zeichen.

Damit endet der dreiteilige Bericht über die Kulmbacher Zinnfigurenbörse 2013. Der Termin für die nächste Börse steht übrigens auch schon fest : 07- 09.08.2015.  Ein Termin, den man sich eintragen sollte, wenn man schon den Kalender für 2015 hätte. Merke : Die Zinnfigurenbörse in Kulmbach findet immer in den ungeraden Jahren statt, also 2013,15,17,19,21....

Und hier noch die Bilder von der Ausstellung auf der Plassenburg.



   






*Alle Preise verstehen sich einschließlich Mehrwertsteuer, zuzüglich Versandkosten.

**Gilt für Lieferungen nach Deutschland. Lieferzeiten für andere Länder und Informationen zur Berechnung des Liefertermins siehe hier : Versandkosten & Versandinfo.

Allgemeine Geschäftsbedingungen     Versandkosten & Versandinfo     Widerrufsrecht & Widerufsformular     Datenschutzerklärung     Impressum

Diese Website bzw. das darunter werkelnde Contentmanagement- und Warenwirtschaftssystem wurden auf Debian GNU/Linux Rechnern mit KDE- bzw. XFCE Desktop entwickelt. Als Sprachen kamen zum Einsatz : HTML, CSS und PHP und ein kleines bißchen Java-Script. Verwendete Werkzeuge : MySQL, Geany, Filezilla, Chromium, Gimp, Inkscape, Libre-Office, Kate, Tomboy und nicht zuletzt das gute alte XFCE-Terminal. Es wurde ganz bewusst auf alle fremden Cookies, Tracker, Analyse-Tools und externe Module verzichtet. Alles hand- und hausgemacht - wie es sein muss.

© 1999 - 2018 Ralf Wloka