Waterloo - Le Chateau du Papp

Baubericht : Das Chateau Hougoumont aus Pappe

Vor Jahren kaufte ich auf einer Börse einen Pappbausatz der Firma Taylor&SmithModels. Und wie immer in solchen Fällen lag das Ding dann erstmal ein paar Jahre herum, scheinbar muss immer alles erst noch reifen. Wenn man dann aber endlich mit dem Bauen begonnen hat, fragt man sich immer, warum man das eigentlich so lange vor sich her geschoben hat.

Dieser Artikel erschien bereits 2013 in dem von mir betriebenen Blog mit dem Titel "WargamesandWhisky.com". Einige der dort veröffentlichten, meiner Ansicht nach, informativen oder lesenswerten Artikel habe ich auf diese Seite herübergerettet. Er wird hier im wesentlichen unverändert, evtl. mit leichten korrekturen oder Anpassungen, wiedergegeben.

Bei dem hier beschriebenen Papp-Bausatz handelt es sich um das Chateau Hougoumont, einem zu seiner Zeit schloß-ähnlichen Gehöft auf dem Schlachtfeld von Waterloo, dem im Verlauf der Ereignisse eine zentrale Bedeutung zukam und von dem heute - wegen der Schlacht und den dadurch verursachten zahlreichen Bränden - nur noch einige Gebäude stehen.

Ich wollte schon seit einiger Zeit ein Display machen um die Figuren aus den 25mm napoleonischen Gießformen der Firma Prince August endlich mal ansprechend in Szene zu setzen. Zwar passt der Maßstab des Bausatzes von 1:72 (also : 20mm) nicht so ganz zu den Prince August-Figuren (25mm), aber in diesem Fall wollte ich es nicht so genau nehmen. Wie man auf den beigefügten Fotos sehen kann, stört die Abweichung nur wenig. Ich zumindest war bereit sie in Kauf zu nehmen, da ein Bausatz aus Pappe nun mal deutlich einfacher und kostengünstiger zu bauen ist, als ein komplett neues Modell.



Ausmarsch der Engländer aus dem nördlichen Tor. Der leicht abweichende Maßstab ist kein so großes Problem wie man sieht.

Der Bausatz erwies sich insgesamt als recht einfach zu bauen, leider war das ganze Ding aber nicht so fehlerfrei, wie man sich das wünschen würde. Und das ist schon irgendwie typisch englisch: tolle Idee, aber ein kleines bißchen öckelig umgesetzt. Genau daran ist ja schließlich auch die britische Autoindustrie eingegangen : coole Karren mit tollen Macken. Nun, neben etwas unpräzisen Schnittlinien, die noch nicht so schlimm waren, fehlten nämlich Bezeichnungen bzw. Nummerierungen und ein wesentlicher Teil jener Außenmauern, die den Obstgarten eingrenzten. Dieser Obstgarten war aber bekanntermaßen ein wichtiger Teil der Befestigung um den viel gekämpft wurde. Entweder waren diese Bögen nicht beigefügt worden oder man hatte sich bei der Größe des Gesamtmodells einfach verkalkuliert. Die Bögen mit Mauern, die dabei waren, waren zudem wohl falsch bedruckt, denn es gab definitiv zu viele Tore. Die Außenmauer, wie sie auf dem unten stehenden Bild gezeigt wird, ist zumindest so nicht richtig, den da, wo die (1) steht, war seinerzeit nur eine Art Geländer zwischen dem "formalen Garten" und dem Obstgarten.



Gesamtansicht als Bauanleitung. Die Nummern bezeichnen die unklaren Punkte."

Eine Beschreibung des Ganzen hat man sich darüber hinaus auch gespart. Die beigefügte Gesamtansicht (oben) ist zwar ausreichend für den Bau, doch werden in ihr zumindest zwei Punkte nicht völlig klar.

Zum einen ist dies die exakte Position der Mauer (1), die vom Haupthaus zum Gärtnerhaus führt  und durch deren Tor man in den Garten kommt. Wenn man deren Position nämlich verschiebt, rücken die Gebäude auseinander und das ganze Areal wird deutlich größer oder kleiner. Da die restlichen Mauersegmente nicht spezifisch für eine bestimmte Position vorgesehen waren sondern selbst auf Länge geschnitten werden sollten, waren die Abstände der Gebäude zueinander nämlich nicht definiert. Ich habe mich dann an eine alten Zeichnung gehalten, die das Chateau in den Jahren vor der Schlacht zeigt.

Das Chateau vor 1815



Die Position der Gartenmauer mit einem angedeuteten "formalen" Garten.

Die Gartenmauer wurde von mir mittels dünnen Holsstäbchen ca. 5mm angehoben, damit der Torbogen nicht allzu klein aussieht.

Der zweite Knackpunkt ist die Ecke beim sog. "Nordtor" (2). Auf der Gesamtansicht sieht man, das die Mauer nach dem kleinen Stall am Ende der Gebäudereihe noch etwas weiter nach Norden geht und erst dann abbiegt. Ich konnte nicht herausfinden, ob das so korrekt ist. Auf heutigen Fotos vom Hof sieht man nur, das dort der kleine Stall fehlt, aber auf der alten Darstellung (oben) sieht man die Mauer beim Nordtor direkt an das Gebäude stossen. Und das erschien mir auch irgendwie logisch : wann immer möglich benutzt man nämlich die Mauern der Gebäude als Begrenzungsmauer und mauert nicht in ein paar Meter Entfernung extra eine weitere Mauer. Das kann man immer wieder beobachten. Steine kosten nämlich Geld.


Das berühmte Nord-Tor. Angeblich - laut einer Aussage Wellingtons - wurde hier die Schlacht entschieden, als es gelang das Tor gegen die anstürmenden Franzosen zu schließen

Wenn man solche Klöpse auf dem Tisch hat, steht man erstmal da, wie der Ochs vor dem Berg. Aber zum Glück hatte ich mal ein kleines Büchlein über Hougoumont erworben. Fotos und Zeichnungen darin halfen, waren aber auch nicht ganz schlüssig. Sucht man nach Bildern des Gebäudes im Internet, findet man erstaunlich viele Modellbauten der Anlage, leider alle voneinander abweichend, einige sogar mit eindeutigen Fehlern oder mit Blick auf Platzverbrauch (vernünftigerweise) eingedampft oder vereinfacht. Historische Darstellungen hingegen gibt es wenige und keine davon beseitigte die Unklarheiten, zumal sich die Zeichner des 19. Jahrhunderts auch einige Freiheiten bei ihren Darstellungen herausgenommen haben.

Je länger man all die vorhandenen Bilder vergleicht, desto mehr beschleicht mich übrigens der Gedanke, das die Macher des Bausatzes sich vom heutigen Zustand des Chateaus ein wenig haben blenden lassen. Das Problem mit der überflüssigen Ecke beim Nordtor könnte nämlich von Fotos herrühren, die die Stelle eben heute so zeigen. Auch die wahrscheinlich fehlerhafte Gestaltung des Nordtores im Bausatz könnte darauf zurückzuführen sein. Es handelte sich - glaubt man den alten Darstellungen - nämlich tatsächlich um ein "Tor" (d.h. ein Durchlass mit einem Überbau) und nicht nur um eine "Pforte" wie im Bausatz dargestellt. (Ich werde das Modell an der Stelle wohl nachträglich noch überarbeiten)



Hougoumont Nordtor im Jahr 1820



Wenn ich nur damals, als ich In Waterloo war - Anfang der 90er - auch das Chateau bzw. dessen Reste besichtigt und fotografiert hätte. Aber das war mehr oder weniger ein spontaner Ausflug und die Möglichkeiten sich vorzubereiten waren wesentlich geringer (ohne Internet). Damals hatte ich außerdem irgendwo gelesen, das es zerstört worden sei, vorauf wir diesen Punkt gar nicht erst angesteuert haben. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, das man vor Ort die Besucher überhaupt dort hingelenkt hätte. Könnte sein, das der Hof damals noch als ganz normaler Bauernhof in Betrieb war und man das deshalb vermied. Mittlerweile steht der Hof leer und man sucht wohl nach Mitteln die Gebäude zu erhalten und für Touristen zugänglich zu machen. (Kann ja wohl nicht so schwer sein...) Naja, vorbeifahren wollte ich in Waterloo wegen der Sache jetzt aber auch nicht unbedingt, obwohl das auch nur rund zwei Stunden Fahrt gewesen wären. Aber ich war nah dran.

Im Endeffekt führten diese Probleme dann dazu, dass ich das Modell auf einen großen Bogen Packpapier aufstellte, die Teile darauf hin und herschob, Positionsmarkierungen machte, Vergleiche mit allen mir verfügbaren Darstellungen anstellte um dann am Ende festzustellen, dass die Bauanleitung mich dazu verleitet hätte, das Gesamtmodell noch größer als notwendig zu bauen. Und das Ding bedeckt voll aufgebaut eine Fläche von 88x60 Zentimetern. Bei so einem großen Teil zählt wirklich jeder Zentimeter, den man einsparen kann, denn schließlich will man den Apparat ja auch irgendwo unterbringen.





Die Verschiebeaktion / Aufstellversuch auf Packpapier

Übrigens : ein loser Aufbau, also lose Gebäude die man einfach bei Gelegenheit zusammenstellt, verbot sich irgendwie wegen der Verbindungs- und Begrenzungsmauern, die man nicht hätte fixieren können. Das Ganze hin- und herschieben brachte mich aber am Ende dazu, die Abstände so zu wählen, das sich hinter dem Haupthaus eine Trennlinie ergibt, so dass das Modell auf zwei Bodenplatten aufgeteilt werden konnte.





Das Chateau auf zwei Bodenplatten aufgeteilt. Südlicher Teil mit dem Haupthaus, 56 x 60 cm





Nördlicher Teil 32x60 cm



Die Firma Taylor&Smith Models LLP - der Hersteller des Bausatzes - ist übrigens wohl schon seit einiger Zeit weg vom Fenster. Die Internetseite (www.taylorandsmithmodels.co.uk) ist schon lange verschwunden und ich fand heraus, das T&S nur von 2009 bis etwa 2011 existierte. Man kann nur vermuten warum es so schnell vorbei war. Ich zumindest könnte mir vorstellen, das andere Benutzer die beschriebenen Fehler nicht ganz so leicht genommen haben und es Reklamationen hagelte. Eine kleine Firma kann sicher schnell daran zugrunde gehen, wenn ein Produkt in Mengen hergestellt wird und dann wegen Kundenbeschwerden größere Stückzahlen zurückkommen. Könnte ich mir zumindest so denken. Vielleicht war aber auch die ganze Sache einfach nur zu klein, um ausreichend was einzubringen.

Naja, die Karawane zieht weiter...

Demjenigen, der das Modell noch irgendwo auftreiben kann, möchte ich auf jeden Fall empfehlen es, wenn möglich, einzusacken. Es ist (bzw. war) wahrscheinlich die kostengünstigste und bequemste Variante das Chateau - und damit das wichtigste Gebäude auf dem Schlachtfeld von Waterloo - nachzubauen. Die oben beschriebenen Fehler und Probleme sind insgesamt alle nicht so schwerwiegend und lassen sich leicht beheben. Mein Tipp : Die Blätter vorher Einscannen, dann kann man sich mit einem Farbdrucker selbst genug Mauern herstellen oder Teile reparieren.

Die Bauzeit belief sich alles in allem auf rund 4-5 Nachmittage bzw. Abende, hauptsächlich deswegen, weil ich alle Gebäude mit Schaumpappe ("Kappa"-Karton) verstärkt habe und Ecken und Stösse mit Stecknadeln zusammengenagelt habe. Im Haupthaus habe ich mit Hilfe von elektrischen Teelichtern - deren Existenzberechtigung mir ansonsten ein Mysterium ist - noch eine einfache Flackerbeleuchtung eingebaut, die den Brand darstellen soll. (Na, endlich hat einer ne echte Anwendung für diesen Elektro-Trödel gefunden, was?)





Verstärkung der Gebäude mit Schaumpappe-Platten (geleimt) und Abstützung durch Papp-Winkel (Heißkleber)





Elektrische Teelichter als Feuer. Öffnet man die Gehäuse findet man einen kleinen Schalter mit Batterie und LED. Keine große Sache.

 



Plastikfeuer von "Gale Force Nine" ergeben recht nette Flammen.





Feuer schlägt aus dem Dach. In die Kapelle kam auch eine Lampe, obwohl da ja der Brand nur bis zum Kreuz vordrang und angeblich davon aufgehalten wurde..

 

Damit es auch nach draussen leuchtet, habe ich viele Fenster ausgeschnitten, mit Klarsichtfolie (Overheadfolie) wieder verschlossen und die Fensterkreuze anschließend neu aufgemalt. Da man nun aber auch durch die Fenster hineinschauen konnte, mußten Bodendielen und Teppiche her (Bilder aus dem Internet ausgedruckt) und ein paar bei mir bisher herumliegende kleine Möbel aus Resin und Zinn (u.a. eine Tischgruppe, die in meinem Bastelkram seit Jahrzehnten schlummerte) möblieren deshalb auch die oberste Etage des Haupthauses.  So was ist natürlich völlig unnötig, aber vielleicht guckt ja mal jemand durchs Fenster wenn das Licht, äh, Feuer an ist...



Innenraum, der Salon des Gutsherren. Die Möbel hab ich erst nach dem Foto hineingesklebt.





Zum Abschluss ein Blick auf die Gesamtanlage







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