Ankauf von Zinngießformen

Ich kaufe nicht gerne an. Und zwar weil den meisten nicht bewusst ist, wie wenig gebrauchte Artikel auf dem Markt tatsächlich wert sind und wie schlecht sich die Dinge wieder absetzen lassen. Ich mache Ihnen hier deshalb umfangreiche Angaben zur Einschätzung des Marktes und rechne Ihnen das auch am Beispiel vor.

Zuerst: Machen Sie sich klar, das ich nicht für meinen eigenen Bedarf einkaufe. Ich habe ein umfangreiche Sammlung, ich brauche nicht noch mehr. Ein Ankauf muss wirtschaftlich Sinn machen, also a) verkäufliche Ware beinhalten und b) günstig sein und sich deshalb rechnen. Ansonsten kann ich mir den Aufwand nämlich sparen und was anderes machen. Ich sitze hier auch nicht auf einem Goldberg den es abzubauen gilt, deshalb rechne ich mit dem spitzen Bleistift der Realität (und der Erfahrung).

Die hier genannten Angaben beruhen auf den mehrjährigen Erfahrungen beim An- und Verkauf von "gebrauchten" Zinngießformen und anderen Artikeln aus dem Hobby.

Problem 1 : Die schreckliche Wahrheit der Zahlen

Nehmen wir irgendeinen Artikel, Neupreis 19,95 Euro. Läßt sich mit Glück gebraucht evtl. für 9,95 Euro verkaufen. Denkt man sich so, immerhin sind das ja "nur noch" etwa 50%. Dummerweise ist das aber eigentlich relativ hoch, denn bei vielen Artikeln ist das in der Regel gar nicht zu erzielen. Realistischer landen wir bei 7,95. Oft sogar darunter.

In diesen 7,95 Euro sind bei 19% Mehrwertsteuer erst einmal 1,27 Euro Umsatzsteuern enthalten. Die müssen ans Finanzamt abgeführt werden, denn auch bei gebrauchten Artikeln kassiert der Staat mit. Und da der Verkäufer (ich sage mal "Sie") bei dem Verkauf wahrscheinlich als Privatmann(frau) auftritt, ist im Kaufpreis keine Vorsteuer enthalten, die man damit wenigstens verrechnen könnte.

Tip für die, die jetzt erst mal Stolpern : Jeder Brutto-Preis besteht bei 19% Mehrwertsteuer aus 119%. Will sagen : (Preis/119)*100 ergibt den Nettopreis. Man kann nicht einfach 19% von 100% abziehen und mit 81% Rest rumwerkeln, das ist falsch.

Bleiben also 6,68 Euro übrig. Schon nicht mehr so dolle.

Das Ganze soll (und muss) ja auch noch was bringen, nicht wahr? Sagen wir also erstmal fifty-fifty. Das bedeutet 3,34 Euro für jede Seite. Auweia.

Unglücklicherweise fallen bei jedem Gewerbe noch jede Menge weitere Kosten und Aufwand an, die auf die Artikel umgelegt werden müssen. Wohin auch sonst? Die zahlt ja nicht der Liebe Gott. Und dann ist da ja noch das Risiko, auf den Dingen ziemlich lang (oder für immer) sitzenzubleiben. Und das ist hier ziemlich hoch. Deshalb darf man für unseren Beispielartikel nur 2,80 Euro geben, denn das Risiko und die schmalere Kasse hat ja in Zukunft der Ankäufer.

Also 2,80 Euro für einen Artikel, der im Handel mal rund 20 Euro kostete und den der Händler danach für 3x soviel wieder verkauft? Skandal ! Betrug ! Weltverschwörung des Großkapitals...

Rechnen sie es nach, die Zahlen lügen nicht.

Problem 2: Kannibalisierung

Leider verstehen viele Leute nicht, das es irgendwie wenig Sinn macht, Artikel, die im Sortiment neu angeboten werden, auch gebraucht anzubieten. Ich verstehe ja, das man denkt : "wenn der das ja sowieso verkauft, braucht der das ja..."

Aber man torpediert sich damit das eigene Geschäft. Den Bedarf eines Kunden mit einem billigen und wenig einbringenden Gebrauchtartikel zu befriedigen wenn im Lager noch genug Neuware liegt, die man ja teuer eingekauft hat und die etwas mehr bringt, wäre blanker Unfug.

Damit es klarer wird: der Verkauf eines neuen Autos bringt dem Verkäufer mehr als ein gebrauchtes. Mit beiden fährt der Kunde aber vom Hof und ist erstmal zufrieden... Autohändler verkaufen die Dinger auch nicht weil sie Gutmenschen sind sondern nur, weil sie die wegen einer Inzahlungnahme rumstehen haben. Aber wenigstens haben sie vorher groß was verkauft. So einen Ausgleichsfaktor gibts hier nicht.

Problem 3: Aufwand

Wenn ich angekaufte Artikel anbiete, habe ich damit einen nicht unerheblichen Arbeitsaufwand, denn da es sich um "Einzelstücke" handelt (und das sind gebrauchte Waren nun mal meistens) muss für jedes Stück ein Artikeldatensatz angelegt und betextet werden und jedes einzelne Exemplar muss seperat fotografiert werden, das Foto beschnitten, angepasst und hochgeladen werden. Danach wird das Ding eingepackt, beschriftet und eingelagert. Und das für einen Gegenstand der genau einmal(!) 3 oder 4 Euro erwirtschaftet und mit Glück in den nächsten Jahren irgendwann mal verkauft wird. Oder auch ewig liegt.

Wie man sieht befinden sich Aufwand und Ertrag in einem denkbar schlechten Verhältnis. Die meisten Menschen würden auf die bloße Chance hin irgendwann einmal ein paar Euro dafür zu bekommen solchen Aufwand gar nicht treiben. Und auch ich bin da mittlerweile sehr zurückhaltend.

Problem 4: Wie sieht der Markt aus? (Stand 2020)

Sorry, schlecht. Wenn man Zinngießformen selber nutzt, sind sie etwas wert, keine Frage. Will man sie aber verkaufen findet man derzeit keinen guten Markt dafür. Das kann irgendwann mal wieder anders ein, aber ich würde nicht darauf wetten. Ich habe hier mal ein paar mögliche Ankaufspreise aufgelistet wie sie derzeit einigermaßen Sinn machen:

  1. Prince August (gebraucht) : 0,- Euro (kein Ankauf, siehe unten)
  2. Prince August (Originalverpackt) : 3,95 Euro (pro Form, bei Sets also mehr)
  3. Nürnberger Meisterzinn (Originalverpackt) : 5,95 Euro
  4. Nürnberger Meisterzinn (gebraucht aber sauber) : 3,00 Euro
  5. Nürnberger Meisterzinn (gebraucht und eingerußt) : 1,50 Euro (evtl.)
  6. Nürnberger Meisterzinn (Griff geschmolzen) : 0,- Euro (kein Ankauf)
  7. Zinnbrigade (Originalverpackt) : 6,95 Euro
  8. Zinnbrigade (gebraucht und sauber) : 2,75 Euro
  9. Zinnbrigade (stark gebraucht) : 0,- Euro (kein Ankauf)
  10. SCAD (Originalverpackt) : 4,95 Euro
  11. SCAD (gebraucht und sauber) : 2,50 Euro
  12. Prandell (Originalverpackt) : 4,50 Euro
  13. Prandell (gebraucht und sauber) : 2,50 Euro
  14. Reif/Hobbytime (Zustand egal) : 0,- (kein Ankauf)
  15. Schneider/Greiner und Sonstige : von Fall zu Fall unterschiedlich

Dazu ein paar Anmerkungen:

Von Prince Agust sind bis auf sehr wenige heute schon in Vergessenheit geratene Exemplare fast alle Formen jederzeit vorhanden - Sammlerpreise gibt es dort nicht. Ein Ankauf gebrauchter Formen dieser Marke ist sinnlos da ich sie alle neu anbiete (siehe oben). Ich nehme sie zum Nulltarif an wenn mir damit der Ankauf anderer Artikel "schmackhafter" gemacht wird. (Sorry, so ist es leider.)

Nürnberger Meisterzinn wird erst seit kurzem nicht mehr produziert, ist aber beim Hersteller bis auf Ausnahmen noch reichlich vorhanden soweit ich das weiß. Wird in den letzten Jahren aber leider nicht mehr nachgefragt, daher wohl auch die Produktionseinstellung. Meisterzinn-Formen mit geschmolzenem Griff (das gibt es öfter) stehen grundsätzlich und zu Recht unter dem Verdacht "verzogen" (also beschädigt) zu sein und sind deshalb nahezu unverkäuflich. Wer die Wahl hat kauft Formen, bei denen nicht die Gefahr besteht das sie überhitzt wurden. Würde ich auch so halten.

Zinnbrigade, SCAD und Prandell werden zwar schon lange nicht mehr hergestellt, sind heute oft aber auch unbekannt und ziehen wenige Interessenten an. Die Tatsache, das alle drei Serien früh gestoppt wurden und im Prinzip kein vollständiges "Bild" abgeben (also ganze "gegnerische" Seiten abbilden usw.), macht sie für neue Hobbyisten weniger interessant. Und die meisten älteren Sammler haben diese Serien in der Regel bereits, denn sie hatten Jahrzehnte Zeit um sie zu finden.

Alle oben genannten Serien wurden in großen Stückzahlen produziert. "Selten" ist da nicht wirklich etwas. Es gibt ein paar Formen die etwas weniger verbreitet sind, aber auch diese erzielen erfahrungsgemäß keine hohen Preise. Wenn man als Verkäufer dabei ein paar Euro extra bekommt, gleicht das im allerbesten Fall den schlechten Verkauf anderer Formen ein bißchen aus.

Was Schneider, Greiner, HD, Ideal usw. angeht muss man sich vor Augen halten das diese auch immer noch hauptsächlich nur von Alt-Sammlern gesucht werden denn die daraus hergestellten Figuren treffen den Geschmack der jungen Generation oft nicht mehr - Retro-Trend hin oder her. Und neue Sammler steigen nicht mehr ein weil sie oft keine Chance sehen in vernünftiger Zeit ausreichende oder sinnvolle Zusammenstellungen aufzubauen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Der Absatzmarkt ist sehr klein und die Preise sind - so weit ich das beobachten konnte - in den letzten Jahren erheblich gefallen. Meiner Beobachtung nach um rund 50% gegenüber der Zeit von vor ungefähr 15-20 Jahren. Und das obwohl diese Formen ja jetzt noch älter sind...

Problem 5: Generationenwechsel

Es gibt grundsätzlich weniger Leute in diesem Hobby als früher. Und somit auch wenig Abnehmer. Und es werden nicht mehr, sondern weniger. Das ist ein natürlicher Prozess, denn die Generation "Kreativhobby" stirbt aus - bedauerlicherweise entweder tatsächlich oder weil sie sowas einfach nicht mehr macht. Ist leider so. Die nachgewachsene Generation beschäftigt sich mit virtuellen Dingen oder kauft sich, wenn sie ins Hobby einsteigt, Figuren aus den vielen industriell hergestellten Wargame-Serien - gerne auch in Plastik. Selbermachen ist eine hohe technische und handwerkliche Hürde die heutzutage nicht mehr so viele überwinden wollen oder können.





Werbung für den Märklin Stabilbaukasten (aus "Das neue Universum, Band 50 von 1929). Mit sowas spielten Kinder früher - die Dinger gabs bis 1970 - heraus kamen Ingenieure...

Also wann macht es überhaupt Sinn?

Wenn die Ware originalverpackt ist und die Verpackungen relativ intakt sind ist sie für mich am interessantesten. Dann kann ich Ihnen wahrscheinlich ungefähr die Preise bieten, die ich oben aufgelistet habe. Dies ist natürlich kein verbindliches Angebot, das muss von Fall zu Fall geprüft werden. Recih werden Sie davon nicht und ich auch nicht.

Ob ein Ankauf überhaupt gerade sinnvoll ist entscheidet die augenblickliche Situation. Und realistisch betrachtet stehen die Zeichen meistens dagegen. Große Berge an gebrauchten Zinngießformen lege ich hier nicht auf Lager. Warum auch?

Wer jetzt noch will kann mir eine Liste und/oder Fotos zusenden. Und ich schau dann mal ob ich damit was anfangen kann.







*Alle angegebenen Preise sind Endpreise zzgl. Versandkosten. Gemäß § 19 UStG wird die Mehrwertsteuer in der Rechnung nicht ausgewiesen.

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